Hunde aus dem Ausland – Tierschutz pro oder contra?


Von Tina Kraus.

Ich möchte einen kleinen Überblick darüber geben, was es bedeutet einen Hund aus dem Ausland zu uns nach Deutschland zu übernehmen. Da jeder Hund ein Individuum ist, schreibe ich nicht nur externe Erkenntnisse nieder sondern füge einen großen Teil meiner eigenen Erfahrungen, die ich mit solchen Hunden gemacht habe, bei.

Oft ist es nur ein kleines Bild im Internet oder in einer Zeitschrift, welches Menschen übereilt und vorschnell entscheiden lässt, sich ein Tier aus dem Ausland zu holen. Dabei wird rein emotional gehandelt. Die riesigen braunen Knopfaugen, die uns flehend ansehen sind dabei ausschlaggebend – wir wissen sofort - dass ist unser Hund. Dieses arme Geschöpf erweicht unser Herz und Tierliebe wird in diesem Moment ganz groß geschrieben.

Reine rationale Überlegungen, wie: Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich arbeite?, Reicht mein Einkommen aus, um mich ausreichend um Gesundheit, Futter, Erziehung, Ausstattung zu sorgen? Entspricht meine Umgebung/Wohnung einer artgerechten Unterbringen für den potentiellen Mitbewohner?, ... – und frage ich mich überhaupt, wie der Charakter, bzw. das Wesen dieses Tieres ist? Oftmals leider nicht und wenn doch, dann einen Tick zu spät.

Aber gut, der Hund wurde von einer Tierschutzorganisation (im besten Fall) an Sie übergestellt. Die Freude ist riesig und die Erwartungen an das Tier natürlich ebenso. Ein guter Rat vorweg: stellen Sie bitte keine zu großen Anforderungen an den Hund, der gerade einmal ein paar Tage in Ihrem Haushalt ist, sondern nehmen Sie sich Zeit – für sich beide. Ein paar Wochen Urlaub zu nehmen ist eine gute Lösung (das gilt auch beim Einzug eines „normalen“ Hundes ohne gravierende Vorgeschichte). Und bitte seien Sie sich auch der neuen Verantwortung bewusst, die Sie für Ihr eigenes Tier, sich selbst und Ihre Umwelt haben.

Mit Stress und Druck ist eine Eingewöhnung in eine völlig neue und fremde Umgebung - die anders riecht, in denen andere klimatische Verhältnisse herrschen und nichts so ist, wie es einmal war - oftmals nur eine Überforderung für Hund und Halter. Klare Regeln einhalten, z.B. „das ist ok“ und „das ist nicht ok“ verpackt mit einer große Portion an Zuwendung sind die nötigen Zutaten nach ein paar Tagen im neuen Heim und äußerst sinnvoll – eine zu lange „Schonfrist“ dagegen eher nicht. „Mein Hund soll es doch gut bei mir haben“ (menschlich sehr sozial!), aber aus Hundesicht leider völlig neben der Spur (Sie geben das Ruder gleich zu Beginn ab). Also gleich einen roten Faden in die Erziehung bringen und mit dem kleinen 1 x 1 beginnen, denn solche Tiere kennen meist nicht einmal den eigenen Namen. Da ist Ausdauer, Geduld, Liebe zum Tier und Konsequenz gefragt.

Grundsätzlich gilt bei Hunden aus dem Ausland zu unterscheiden, wie die Vorgeschichte aussah – Tiere aus Tötungsstationen sind anfangs meist sehr scheu, binden sich extrem an die neue Bezugsperson, finden es oft unerträglich, minutiös alleine gelassen zu werden und kennen rein gar nichts von der Umwelt und somit dem Leben, welches wir Menschen in einer Großstadt für alltäglich halten. Das positive ist, dass solche Tiere häufig ein gutes Sozialempfinden zu anderen Artgenossen haben, sich diese jedoch selbst aussuchen. Ein großes Maß an Einfühlungsvermögen für Mensch und Tier, eine gute Beobachtungsgabe gepaart mit Zuneigung und Konsequenz sind immer gute Ansätze, um den Hund für die Zukunft so zu lenken, dass er sich in dem neuen Zuhause gut einlebt. Reicht das eigene Wissen nicht aus, empfiehlt es sich, professionellen Rat zu holen.

Eine ganz andere Kategorie können Straßenhunde sein und zwar solche, die auf der Straße aufgewachsen sind und eine ganze Zeitlang ums Überleben kämpfen mussten. In einigen Fällen ist es für solche Tiere leider nicht unbedingt vorteilhaft, ein neues Zuhause in einer von Menschen geregelten Umgebung zu finden – und zwar deshalb nicht, da viele Menschen absolut nicht wissen, was dabei auf sie zukommt. Diese Hunde mussten von kleinst auf die Erfahrung machen, dass andere Artgenossen Konkurrenten sind, was die Ressourcenverteilung anbelangt.

Der Erhalt von Wasser, Futter und Schlafplatz wird regelrecht in Kämpfen ausgetragen und nur der Stärkere gewinnt. Viele dieser Hunde sind Einzelgänger, andere schließen sich in kleinere Gruppen zusammen, allerdings immer im Hinterkopf, nur der Stärkere siegt. Diese Hunde werden leider – was Prägung und Erfahrung angeht – nicht urplötzlich in Deutschland mit anderen Artgenossen friedlich spielende Hunde ohne Aggressionen sein. Mitunter können aber auch Menschen zum Feind der Hunde werden – nämlich dann, wenn Hunde Menschen mit negativen Assoziationen verknüpfen – das können Kinder, Menschentypen oder auch gewisse Verhaltensweisen sein.

Dies sollte unbedingt in der Umgangsweise berücksichtigt werden, denn kleine Kinder, andere Artgenossen oder Menschen, die keine ausreichende Hundeerfahrung besitzen, haben nicht die besten Voraussehungen für einen derartigen Hund. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die gerne eine außergewöhnliche und anspruchsvolle Aufgabe in Hundedingen bewältigen mögen, dann ist dies die richtige Wahl und Sie bekommen einen großartigen Begleiter an Ihrer Seite.

Stellen Sie sich evtl. aber darauf ein, dass gewisse Baustellen bleiben können, die Sie aber als Halter so lenken, dass keine Gefahr für Ihre Umwelt besteht – Sie selbst mit eingeschlossen. Prävention gilt nicht nur für die Gesundheit!

Sie haben selbst die Möglichkeit Gutes zu bewirken und wenn Sie Freude daran haben, konsequent und kontinuierlich mit Ihrem Hund zu arbeiten, bzw. zu trainieren, dann zahlt sich dies irgendwann für Sie aus – für Ihren Hund natürlich auch.

Es ist natürlich eine große Herausforderung in einem neuen Umfeld dem Hund das zu geben, was er braucht. Dazu zählt nicht, dem Hund alles gewähren zu lassen – nach dem Motto: „er soll es doch jetzt bei uns besser haben“ und „ich möchte meinen Hund gerne verwöhnen, da meine Kinder alle aus dem Haus sind“.

Dafür sind einige Regeln zu beachten und den Hund so zu nehmen wie er ist, dh. Über- oder Unterforderung zu vermeiden und sich bewusst machen, was seine Vorlieben sind und was es besser zu vermeiden gilt. Wir Menschen haben auch eigene Charaktere und dies gilt für Hunde ebenfalls. Aufeinander eingehen schafft Vertrauen und daraus resultiert dann letztendlich auch eine gute Bindung zwischen Hund und Halter. Lernen Sie Ihrem Hund zu vertrauen und Sie werden merken, wie viel positives zurückkommt.

Leider ist aber auch häufig das Gegenteil der Fall, die Menschen sind oft ratlos, warum der Hund so reagiert und machen sich nicht die Mühe die Ursachen dafür zu ergründen und sich voll und ganz auf den Hund einzulassen, so dass einheimischen Tierheime von ausländischen Hunden geradezu überschwemmt werden.

Ein wichtiger Punkt noch: Viele dieser Tiere empfinden es nicht unbedingt als reines Vergnügen – auch wenn der Halter es auch noch so gut meint – wenn ein Gassiservice-Van beladen mit ca. 8-10 fremden Hunden von A nach B fährt und das Toben ausschließlich mit diesen Tieren zugebracht werden muss. Da ist es sinnvoller, sich auf einen Spaziergang alleine einzustellen und Ihren Hund genau zu beobachten. Andere Hunde werden Ihnen überall begegnen und somit sind auch Sie gefordert, auf die Körpersprache Ihres Hundes, aber auch auf die der anderen Hunde zu achten, zu interpretieren, bzw. richtig zu deuten.

Oft kann ein Verhalten innerhalb Sekunden kippen, gerade wenn Ressourcen (nicht nur Futter und Spielzeug, sondern auch Zuneigung) mit im Spiel sind.

Gerade dann, wenn auf Sie und Ihren Hund ein oder mehrere Hunde plötzlich zugestürmt kommen ist es wichtig die Tiere zu beobachten wie sie sich untereinander verhalten. Sätze wie: „der will ja nur spielen“ oder „das machen Hunde doch untereinander aus“ fallen dann oft. Mag ja sein, dass der eine nur spielen will (hm!!), der andere aber halt nicht und Hunde regeln vieles untereinander, das trifft wohl zu, aber in gewissen Situationen ist es von Vorteil, wenn der Mensch einschreitet. Dadurch erkennt der eigene Hund, dass er sich auch oder gerade in gefährlichen Situationen auf seinen Menschen verlassen kann – er lernt Respekt vor ihm zu haben und die Bindung wird intensiviert. Es kommt es auf das Verständnis an, dass der Mensch bereit ist zu geben, damit ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Hund entsteht und sich weiter positiv entwickeln kann. Dabei sollte es nebensächlich sein, ob dies mit einem ausländischen oder einem heimischen Hund möglich gemacht wird.

Ihre Tina Kraus

PS: Ich danke jeden Tag für die wertvollen Erfahrungen, die ich mit meinen Kundenhunden machen darf - das sind Momente, die mein Leben bereichern. - Was wären wir Menschen ohne unsere Hunde? -

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