Ein Spanischer Wasserhund (Perros de Agua) namens Ombra


Von Tina Kraus.

Im Folgenden schildere ich meine Erlebnisse und Erfahrungen mit der einzigartigen Rasse der Wasserhunde.
Ombra am Wasser
Denn seit sich die US-Prädidentenfamilie Obama den First Dog „Bo“ angeschafft hat, wird es wohl in den USA wie auch in Deutschland bald mehr von dieser herrlichen Rasse – ob spanisch oder portugisisch – zu berichten geben. So wird wahrscheinlich auch deshalb das Wort „Perro“ – aus dem hebräischen mit „von ganzem Herzen“ übersetzt – die treffendste Beschreibung für diese Hunde sein.

Wasserhunde sind sehr intelligente, sensible und menschenbezogene Hunde. Sie sind angenehm zu halten, da sie selten bellen, nicht haaren (gut für Allergiker), sowie sehr lernwillig und äußerst ausgeglichen sind.

Aus einer Tötungsstation befreit

Ombra lernte ich im März 2009 kennen: ein 20 Monate junges, schwarzes Wollknäul. Äußerlich ähnelte Ombra eher einem Schaf als einem Hund, da das Fell so lang, dicht und kräuselig wie bei einem Schaf war. Ombra wurde aus einer spanischen Tötungsstation befreit und bekam dann die Chance, ein neues Leben in Deutschland zu beginnen. Und ich glaube, dass uns (Besitzer von Ombra und mir) dies auch ganz gut gelungen ist.

Bei dem Wort „Wasserhund“ nahm ich stark an, dass diese Tiere ausgezeichnete Schwimmer sind und sich im Wasser sehr wohlfühlen, aber dies trifft nicht auf alle zu. Ombra versucht stets, dem Wasser aus dem Weg zu gehen...

Da die Vorgeschichte von Ombra nicht bekannt war, haben wir einfach das Beste daraus gemacht – wir gaben dem Hund Tag für Tag viel Vertrauen und Sicherheit, so dass sie mich schon am zweiten Tag akzeptiert hat. Sie klebte mir fast förmlich am Bein, so dass Freunde des „bei Fuss“-Gehens ihre helle Freude mit dem Hund haben würden. Selbst ohne Leine entfernte sie sich nur zum Schnüffeln und kam dann meist von selbst wieder angetrottet.

Mit Pfeifton konditionieren

Ich versuche die Hunde so früh wie möglich an einen Pfeifton zu konditionieren. Das ist sehr prakisch: zum Einen schont die Stimme und zum Anderen kann der Hund den Pfeifton nicht missverstehen – Worte und Stimme jedoch schon. Allerdings ist es ratsam, dies zunächst zu Hause oder an einem Ort ohne Reizüberflutung zu üben.

Der Hund sollte auf Pfiffe beziehungsweise auf gesprochene Kommandos wie „Hier!“ hören und dann idealerweise zügig zum Halter kommen. Am Anfang des Trainings darf das große Lob nicht fehlen. Auch Leckerlis sind dabei ein großer Anreiz, falls der Hund diese annimmt (denn leider sind nicht alle Hunde damit bestechlich). Positive Bestärkungen helfen und unterstützen jedes neue einstudierte Kommando oder jedes neue Kunststück. Dabei ist es unerheblich, ob der Hund jung oder alt ist.

Ich gewinne Ombra's Vertrauen

Bei Ombra ging das am Anfang sehr schnell. Schon am dritten Tag konnte ich Ombra für kurze Zeit ableinen und auch wieder innerhalb kürzester Zeit zurückrufen. Die vorgegebene Route legten wir zwar erst nach ein paar Tagen vollständig zurück. Ombra nahm von mir in dieser Zeit sehr skeptisch Leckerlis an, das ist typisch, da sie erst das Vertauen gewinnen muss, trotzdem begleitete sie mich ohne Anstrengung. In den folgenden Wochen wurde es besser und besser. Am Anfang gab ich dem Besitzer auch noch einige Tipps, wie der Umgang so sein sollte, dass es später auch zu keinen bösen Überraschungen kommt. Und es hat funktioniert. Ombra blieb innerhalb kürzester Zeit problemlos alleine zuhause und wartete auf mich zum Gassigehen. Wenn ich dann kam, wurde zur Begrüßung ein Stofftau vor meinen Füssen nieder gelegt – ein freundlicher Hund eben!

Wasserhunde sind sehr folgsam. Wir starten in der Wohnung mit einem SITZ, um das Halsband plus Leine anzulegen, vor der Tür wird nochmals gewartet und dann gehen wir beide gesittet außer Haus.

Befehle mit Ruhe und Konsequenz einstudieren

Ich habe oft von Hundehaltern zu hören bekommen, diese Befehle kennt der Hund und wenn ein anderer Befehl ausgesprochen wird, dann weiss der Hund nicht, was er tun soll. Bei meiner Arbeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist (zu viel Sprechen verstört und stumpft die Hunde ab). Es kommt nur auf die Ruhe und die Konsequenz an, die man ausstrahlt, dann führt auch das unsinnigste Wort zum Erfolg. Wenn sich der Hund sich auf seinen Halter konzentriert, dann merkt der Hund schnell, wann er stehen bleiben soll und wann nicht – bei Ombra und mir ebenfalls – nur wenn es richtig laut und hektisch zu geht und der Hund auch mal nicht so bei der Sache ist, dann muss ich „Halt“ so laut aussprechen, dass mich ein Mensch, der neben mir steht, es ebenfalls versteht, sonst ist ein leises Flüstern absolut ausreichend.

Ich merkte ziemlich schnell, dass Ombra’s Erfahrungen auf der Straße oder auch in der Tötungstation ihr so Einiges abverlangt hatten. So ist Ombra etwa ein Hund, der erstmal vorsichtig stehenbleibt, wenn ein anderer Hund auf sie zu kommt – es könnte ja was passieren – aber jeder sozialisierte Hund kennt auch subtile Körpergestiken und versteht sie. Anders aber bei Hunden, bei denen die Erziehung etwas schleifen gelassen wurde und die so alles machen dürfen, was ihnen eben so einfällt.

Was Ombra liebt...

Der Wasserhund ist in seiner ursprünglichen Form zum Hüten von Ziegen und Schafen, sowie als Apportierer von Wildvögeln verwendet worden – immer dem Herrn dienend, aber auch selbständig arbeiten, das zeichnet diese Rasse aus. Ombra liebt es, wenn Suchspiele drinnen oder draußen zum Einsatz kommen. Sie zieht dann ihre Bahnen und steckt das Gebiet ab und zack – sie hat das gesuchte Objekt gefunden – Hurra!

Ombra beim Gassigehen
Mittlerweile wurde Ombra auch geschoren, denn obwohl der Hund keine starke Unterwolle hat, ist das Fell sehr dicht und kräuselig und an wärmeren Tagen ist das trotz Schur sehr mühsam, sich zu bewegen (sie hat schwarzes Fell). Sie trottet dann ein paar Meter hinter mir her und auch mit Spielen und Bewegung ist nicht viel anzufangen – wir legen und setzen uns dann schön in die Wiese, und dann ist Bauchkraulen angesagt und sich in der Wiese wälzen. An diesen Tagen gib es nichts Schöneres für Ombra. Aber an kühleren Tagen wird wieder mit mir getobt und dann fliegt auch schon mal ein Ball, an einer Schnur, dem sie dann hinterher saust oder auch mal mit den ein oder anderen Hund sich eine kleine Verfolgungsjagt gönnt, aber eben nur ne kleine und auch nicht mit jedem Hund – mein Gott, ist dieser Hund menschlich!:-)

Ich freue mich auf Ihre Erfahrung mit Wasserhunden!

Ihre Tina Kraus.


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